IHK ZU LÜBECK
Wirtschaft, Wissenschaft und Region stärken: IHK zu Lübeck geht optimistisch ins neue Jahr
Die IHK zu Lübeck zieht eine positive Bilanz des Jahres 2011. Trotz der Unsicherheiten in den Märkten ist die Wirtschaft robust. Im kommenden Jahr will die IHK den Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft weiter fördern. Auch die Präsenz bei den Mitgliedsunternehmen will die IHK mit neuen Regionalberatern verstärken. Den Wirtschaftsraum entlang der A1-Achse weiter zu stärken, ist der dritte Schwerpunkt der IHK für 2012.
Gutes Wirtschaftsjahr 2011
Der Aufschwung hat sich im Jahr 2011 in der HanseBelt Region fortgesetzt, die Wirtschaft blickt mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. "Zum Jahresende hat sich das Wachstum zwar etwas verringert. Wir sind aber zuversichtlich, dass der grundsolide Mittelstand in Schleswig-Holstein die möglichen Folgen der Euro-Schuldenkrise wie Auftragsrückgänge meistern wird", sagte IHK-Präses Christoph Andreas Leicht in der Jahrespressekonferenz in Lübeck. Zuletzt hatten rund 90 Prozent der in der IHK-Konjunkturumfrage befragten Unternehmen angegeben, dass ihre Auftragslage gut bis befriedigend sei. Ein weiterer Grund für Optimismus seien die aktuellen Konjunkturumfragen, die trotz eines Abflachens ein weiteres Wachstum der deutschen Wirtschaft in 2012 prognostizieren.
Die Bilanz des zu Ende gehenden Jahres sei insgesamt positiv, betonte der Präses. Die Treiber des Konjunkturklimas, die Industrie-Unternehmen steigerten ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um fünf bis sechs Prozent, die Auslandsumsätze sogar um zehn bis zwölf Prozent. Die Unternehmen würden zunehmend auch schwierige Märkte wie Asien und den arabischen Raum bearbeiten. "Besonders erfreulich und richtungsweisend ist die Lage am Arbeitsmarkt. Der Kreis Stormarn ist mit einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent Spitzenreiter in Norddeutschland, der Kreis Segeberg steuert mit aktuell 4,4 Prozent ebenfalls auf die Vollbeschäftigung zu", so der Präses.
Im dritten Quartal 2011 planten 20,2 Prozent der Unternehmen, mehr Mitarbeiter einzustellen – 0,3 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. "Damit liegt unser IHK-Bezirk fast zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt in Schleswig-Holstein", so Leicht. Auch der Ausbildungsmarkt sei mit einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr stabil. Im dritten Quartal 2011 hat sich der IHK-Konjunkturklimaindex im Vergleich zum Vorquartal von 128 auf 118 Punkte verschlechtert. Dieser Wert liegt unter dem entsprechenden Vorjahreswert in Höhe von 121 Punkten. Der Konjunkturklimaindex in der Industrie ist zwar leicht gesunken, liegt aber über dem Vorjahresniveau und deutlich höher als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen. Erfreulich robust ist weiterhin die Baukonjunktur.
Dramatische Wende auf dem Ausbildungsmarkt
Auf dem Ausbildungsmarkt hat sich der Wind zu einem Bewerbermarkt gedreht. Die Betriebe stellen sich zunehmend auf den demografischen Wandel ein und bilden verstärkt aus, damit sie schon jetzt die Fachkräfte von morgen heranziehen. Dabei geben sie zunehmend auch schwächeren Bewerbern eine Chance. Ende November war der Rekordwert von 4.259 Lehrstellen aus dem Jahr 2008 fast wieder erreicht. Allerdings bleiben in diesem Jahr mehrere Hundert Lehrstellen unbesetzt, weil die Bewerber fehlen. Mit Blick auf die rückläufigen Bewerberzahlen will die IHK mehr Jugendliche für eine Berufsausbildung gewinnen – angefangen bei jungen Eltern in Teilzeit bis zu Jugendlichen aus Einwanderfamilien – und die Berufsorientierung in den Schulen verbessern.
Schulz-Kleinfeldt: "Die von Migranten geführten Betriebe gewinnen weiter an Bedeutung. In diesen haben wir im vergangenen Jahr mehr als 110 neue Lehrstellen akquiriert." Gleichzeitig verstärkt die IHK die Kommunikation mit den jungen Menschen über die für sie wichtigen Kanäle zum Beispiel Social Media.
Wenig Bewegung beim Tourismus
Die Übernachtungszahlen in der Hansestadt Lübeck stiegen zwar um rund fünf Prozent, an der Ostseeküste gab es allerdings nur minimale Steigerungen der Übernachtungen. Schuld war das schlechte Wetter in der Hauptsaison. Positiver ist zum Jahresende die Lage im Einzelhandel: Dieser bewegt sich etwa auf dem hohen Niveau von 2008. Allerdings gebe die Kluft zwischen guter aktueller Lage aufgrund des Weihnachtsgeschäftes und der eher pessimistischen Beurteilung der zukünftigen Entwicklung Grund zur Sorge, betonte der Hauptgeschäftsführer.
Für den weiteren positiven Verlauf der Konjunktur seien stabile und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend. IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Schulz-Kleinfeldt warnte vor einem Stillstand in der Politik im Zuge der für den 6. Mai 2012 angesetzten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein. "Wir erwarten die Fortsetzung des mittelstandsfreundlichen Kurses des Landes, damit Unternehmen weiterhin jede Unterstützung erhalten, von einer vereinfachten Bürokratie bis zur Finanzierung", so Schulz-Kleinfeldt.
Weitere Anforderungen aus Sicht der Wirtschaft erarbeitet die IHK zu Lübeck zurzeit im Verbund der IHK Schleswig-Holstein. In Workshops haben Unternehmer die Inhalte der Zukunftsstrategie "Schleswig-Holstein 2030" definiert. "Die Ergebnisse werden wir Mitte des Jahres präsentieren", kündigte Leicht an.
Großes Engagement im Wirtschaftsraum entlang der A1
Von zentraler Bedeutung für den HanseBelt wird in den kommenden Jahren die feste Fehmarnbelt-Querung sein. Die IHK hat daher ihre Aktivitäten rund um den Bau der Querung ausgeweitet. Im Fehmarnbelt Business Council (FBBC) hat sie den Vorsitz übernommen. Das FBBC will als deutsch-skandinavischer Verbund die Bedeutung der Wachstumsachse Hamburg-Lübeck-Øresund noch stärker auch auf europäischer Ebene kommunizieren. Die Vertretungen von rund 400.000 Unternehmen aus dem Norden Europas sind in dem Verbund zusammengeschlossen. Im Zuge der Diskussion um die Schienenhinterland-Anbindung der Querung arbeitet die IHK aktiv im Dialogforum Feste Fehmarnbelt-Querung mit.
"Als Partner im Projekt BeltTrade wollen wir gemeinsam mit dänischen und deutschen Organisationen Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen beiderseits des Fehmarnbelts initiieren und fördern", so Schulz-Kleinfeldt. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Deutschland und Dänemark im kulturellen Bereich hat die IHK bereits als Leadpartner des INTERREG-Projektes kulturLINK gestärkt.
Entscheidend für positive Wachstumseffekte im Zuge des Baus der Festen Fehmarnbelt-Querung ist die rechtzeitige Ausweisung neuer und vor allem großer Gewerbegebiete entlang der Autobahn 1 zwischen Hamburg und Puttgarden. Die IHK wird die gemeinsam mit der Handelskammer Hamburg im Positionspapier "Wirtschaftsraum A 1 – Regionale Wachstumsachse Hamburg-Fehmarnbelt" geforderten Projekte weiter vorantreiben", kündigte Schulz-Kleinfeldt an. Er rief die Kommunen dazu auf, das Kirchturmdenken zu beenden und interkommunale Gewerbegebiete auszuweisen, die eine attraktive Größe für interessierte Unternehmen haben. Besonders die Hansestadt Lübeck und ihr Umland sind gefordert, gemeinsame Strategien zu entwickeln.
A20 und A21 konsequent ausbauen
Von ebenso großer Bedeutung für den IHK-Bezirk ist die Landesentwicklungsachse entlang der Autobahn A7 (südlicher Abschnitt). Ein Regionales Entwicklungskonzept soll Möglichkeiten aufzeigen, die Wirtschaftsstruktur der Region zu stärken. "Mit Blick auf die laufende Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans wird es darauf ankommen, die für unsere Region wichtigen Projekte zu priorisieren. Wir werden uns gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Finanzierung durch den Bund für den dringend erforderlichen Weiterbau der A 20 einsetzen", betonte der Hauptgeschäftsführer. Weiterhin Priorität hätte die Aufnahme des Ausbaus der A 21 mit einer Elbquerung östlich von Hamburg in den Bundesverkehrswegeplan (ab 2015). Auch der Ausbau der Bahnstrecke Lübeck-Bad Kleinen und die Aufnahme des Lübeckers Airports in das norddeutsche Luftverkehrskonzept hätten eine herausragende Bedeutung für den Wirtschaftsraum.
Potenziale des Elbe-Lübeck-Kanal nutzen
Zur Vorbereitung der Ertüchtigung des Elbe-Lübeck-Kanals erstellen Experten unter Federführung der IHK bis Mitte 2012 eine Potenzialanalyse, die verlässliche Zahlen über den Verkehrswert dieser Wasserstraße liefern soll, der den Ostseehafen Lübeck mit dem europäischen Binnenwasserstraßennetz verbindet. Ziel ist es, möglichst viel Verkehr von der Straße auf das Binnenschiff zu verlagern.
Schwerpunkt Technologietransfer im Jahr der Wissenschaft
Lübeck ist 2012 "Stadt der Wissenschaft". Ein Jahr lang werden die Arbeit der Hochschulen und die Vernetzung mit der Wirtschaft im Mittelpunkt stehen. "Die Aktionen haben über die Hansestadt hinaus große Bedeutung für den gesamten HanseBelt", sagte Präses Leicht. Um für einen intensiveren Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft im HanseBelt zu werben, treibt die IHK die Vernetzung von Unternehmen und Forschung voran. "Wir werden mit gutem Vorbild vorangehen und wie bereits in diesem Jahr auch 2012 mit unserer Vollversammlung auf dem Lübecker Hochschulcampus tagen", kündigte Leicht an.
Zudem will die IHK mehr technologieorientierte Gründungen mit Rat und Tat begleiten. In Zusammenarbeit – zunächst mit den Lübecker Hochschulen – will sie die Beratungskompetenz und die Informationsangebote der IHK für Studenten noch stärker als bisher anbieten und vermarkten. Dafür baut sie die Kooperation mit den "Gründernetzwerken" an den Hochschulen aus und schafft gemeinsame Beratungs- und Informationsangebote für Studenten auf dem Lübecker Campus. Der IHK-Neujahrsempfang am Mittwoch, 18. Januar 2012, wird das Thema Wissenschaft als Schwerpunkt haben. Spannend wird die Rede des Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg Olaf Scholz zu diesem Thema und zur norddeutschen Kooperation.
HanseBelt Initiative der IHK fortgeführt
Die Sicherung und die Gewinnung von Fachkräften sowie eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind Themen der Arbeitsgruppen der HanseBelt Initiative. Die neue Website www.traumjob-hansebelt.de wirbt auch überregional um Fachkräfte für die regionale Wirtschaft.
2011 hat der IHK-Arbeitskreis Wirtschaft und Kultur erstmals den "HanseBelt Wirtschaft und Kultur Preis" verliehen. Diese Auszeichnung ehrt Firmen, die sich vorbildlich für die Kultur engagieren und die Förderung fest in der Unternehmenskultur verankert haben. "Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen ist ein wichtiges Thema für die Zukunft. Betriebe, die ihren Mitarbeitern einen Mehrwert, zum Beispiel in der Kultur, bieten, werden im Wettbewerb um Köpfe die Nase vorn haben", begründet Schulz-Kleinfeldt das Engagement der IHK in der Kultur.
Erweiterung der Metropolregion verpflichtet zur Neuausrichtung
Neue Impulse für den HanseBelt und eine weitere Verbesserung der Standortqualität erwarten Leicht und Schulz-Kleinfeldt von der Aufnahme der Hansestadt Lübeck und des Kreises Ostholstein in die Metropolregion Hamburg. "Mit dieser Erweiterung treten gemeinsame Ziele in den Vordergrund, die Landesgrenze dagegen verliert zunehmend an Bedeutung", sagte Leicht. Das eröffne die Chance für eine grundlegende Neuausrichtung der Beziehungen in der Metropolregion. Leicht: "Ohne Hamburg ist das Umland nichts, aber auch Hamburg ist nichts ohne sein Umland. Die Verflechtungen in diesem Wirtschaftsraum sind zu vielfältig, um weiterhin trennende Doppelstrukturen zu unterhalten", betont der Präses.
Die Wirtschaft geht hier mit gutem Beispiel voran: Die gemeinsame Geschäftsstelle Norderstedt der IHK zu Lübeck und der Handelskammer Hamburg hat im ersten Jahr ihres Bestehens alle Erwartungen übertroffen. Rund 290 Unternehmen im Hamburger Norden und in der Nordgate-Region nutzen regelmäßig die kurzen Wege zur Ausstellung außenwirtschaftlicher Bescheinigungen. "Der Leiter der Geschäftsstelle hat viele Kontakte zu den Unternehmen im Kreis Segeberg geknüpft. In Gesprächen mit den Geschäftsführungen präsentiert er das Dienstleitungsangebot der IHK und zeigt auf, wie die Kammer die Firmen unterstützen kann", so der Hauptgeschäftsführer.
Mehr IHK-Service in der Region
Aus den Rückmeldungen der Mitgliedsunternehmen wisse die IHK, dass viele Betriebe den engen Kontakt zur Kammer wünschen. "Wir werden unsere Präsenz in der Region und damit bei unseren Kunden im kommenden Jahr deutlich verstärken", sagte Schulz-Kleinfeldt. In jedem Kreis und in der Hansestadt Lübeck intensivieren Regionalberater die Beziehungen zu den Mitgliedsunternehmen. Sie nehmen auf, welche Anforderungen die Firmen an IHK, Standort, Verwaltung oder Politik haben und arbeiten die Aufträge aus diesen Gesprächen ab. "Einen Schwerpunkt bilden die Kunden, die bisher keinen oder einen lange zurückliegenden Kontakt zu uns hatten."
Mehr Neuigkeiten finden Sie im Newsroom der IHK zu Lübeck: www.ihk-schleswig-holstein.de/newsroom-ihkluebeck.
Medieninformation der IHK zu Lübeck vom 21. Dezember 2011

