IHK ZU LÜBECK
Biobanken: IHK zu Lübeck vernetzt Wissenschaftler aus Norddeutschland und Skandinavien
Deutschland und Dänemark wachsen am Fehmarnbelt zusammen. Entlang der Achse von Hamburg über Lübeck bis zum Øresund ist eine "Vernetzte Wissenschaftsregion" am Entstehen. Die IHK zu Lübeck fördert dieses Engagement für die Wissenschaft unter anderem mit dem Projekt "Regionale Zusammenarbeit an der Entwicklungsachse A1 im Zuge des Baus einer Festen Fehmarnbelt-Querung".
Auf Initiative der IHK reiste jetzt eine Delegation norddeutscher Forscher nach Kopenhagen, um sich an der dortigen Universität mit dänischen Kollegen über die Bedeutung von Biobanken in der translationalen Medizin auszutauschen. Bei diesem Verfahren geht es um die Übersetzung von Modellen in die Anwendung am Menschen. Es ist die Schnittstelle zwischen präklinischer Forschung und klinischer Anwendung neuer pharmakologischer, biotechnologischer und medizintechnischer Produkte.
In Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es Biobanken unter anderem am Universitären Lungenzentrum des Forschungszentrums Borstel, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck und Kiel sowie am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Die Biobank popgen ist ein populationsgenetisches Forschungsprojekt innerhalb des Nationalen Genomforschungsnetzes. Zudem betreibt die Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie in Lübeck das Projekt "Kryo-Brehm", das sich im Sinne einer "Arche-Noah der Neuzeit" die Sammlung von Stammzellen seltener Tierarten in mit verflüssigtem Stickstoff gekühlten Behältern bei minus 140 Grad Celsius zur Aufgabe gemacht hat.
Vertreter dieser Einrichtungen nahmen am Workshop "Biobanks in Translational Medicine" in Kopenhagen teil. Anbieter war das dänische Netzwerk Biopeople, das sich im Umfeld der Universität Kopenhagen gebildet hat. Es sieht es als seine Aufgabe an, dänische Forscher und "Umsetzer" in den Bereichen Lebenswissenschaften, Ernährungswissenschaften, Biotechnologie, Biomedizin und Medizintechnik mit Experten aus anderen Ländern zu vernetzen.
Im Workshop ergaben sich konkrete Kooperationsansätze zwischen Forschern der Universität zu Lübeck und ihren dänischen Kollegen. Am Rande der Veranstaltung verabredeten der Direktor des Netzwerks Biopeople, Per Spindler, und Dr. Dirk Hermsmeyer von der IHK zu Lübeck die Fortsetzung der Initiative zur Vernetzung von Unternehmen und Einrichtungen in Norddeutschland und der Øresundregion. "Zwar wird es noch einige Jahre dauern, bis im Jahr 2020 die ersten Fahrzeuge die Feste Fehmarnbelt-Querung nutzen werden. Der gezielte Blick nach Skandinavien und besonders in die Øresundregion lohnt sich für Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Schleswig-Holstein und Hamburg aber bereits heute", sagte Regionalmanager Hermsmeyer, der das Projekt für die IHK organisiert hatte. "Die Øresundregion bietet das Potenzial einer kaufkräftigen Bevölkerung von etwa 3,7 Millionen Menschen, die – wie das Netzwerk Biopeople beispielhaft zeigt – offen für den internationalen Austausch sind. In zahlreichen Branchen genießen Produkte und Dienstleistungen 'Made in Germany' in Skandinavien zudem einen deutlichen Preisvorteil gegenüber skandinavischen Anbietern."
Die Fahrtzeit von Malmö in Südschweden in die schwedische Hauptstadt Stockholm beträgt etwa sechseinhalb Stunden. Bereits heute – vor Fertigstellung der Festen Fehmarnbelt-Querung – ist die Fahrtzeit von Malmö nach Lübeck etwa zwei Stunden kürzer. Hermsmeyer: "Auch aus diesem Grund schauen Unternehmen und Einrichtungen der Øresundregion gern nach Norddeutschland. Nach Eröffnung des Tunnels, der die Fahrtzeit um eine weitere Stunde verkürzt, werden sie dies noch intensiver tun: Norddeutschland wird verstärkt in den Fokus skandinavischer Unternehmen und Einrichtungen rücken."
Hintergrund: Der Begriff Biobank bezeichnet die Verbindung einer Sammlung von Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten mit zugeordneten, in Datenbanken verwalteten Daten. In Biobanken speichern die Wissenschaftler große Mengen von biologischem Material wie beispielsweise DNA-, Blut- oder Gewebeproben zusammen mit Hintergrundinformationen (zum Beispiel Krankengeschichte oder Lebensumstände, Sammelort) der Spender beziehungsweise Organismen. Biobanken ermöglichen eine krankheitsbezogene Genomforschung, die neue Kenntnisse über die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten liefert und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze oder wirkungsvollerer Methoden der Prävention führen kann. Insofern kommt Biobanken in der translationalen Medizin eine besondere Bedeutung zu. Prägendes Merkmal der meisten Biobanken ist, dass sie als Forschungsinfrastrukturen für künftige wechselnde Forschungsvorhaben dienen sollen, deren Forschungszwecke zum Zeitpunkt der Zusammenstellung der Biobank noch weitgehend unbestimmt sind. Biobanken, die ihre Proben bei einer Temperatur von unter minus 140 Grad Celsius lagern, tragen den Namen Kryobank.
Medieninformation der IHK zu Lübeck vom 12. Oktober 2011

