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IHK-NEUJAHRSEMPFANG 2012

Leicht: Partner auf Augenhöhe

Auf dem Neujahrsempfang der IHK zu Lübeck forderte IHK-Präses Leicht vor mehr als 1.700 Gästen in der Lübecker Musik und Kongresshalle eine enge Partnerschaft auf Augenhöhe für Hamburg und Schleswig-Holstein sowie eine verstärkte Kooperation in Wirtschaft und Wissenschaft. Mit gemeinsamen Strategien können beide Länder zu Europas Top-Regionen aufschließen.

Videos und Bilder vom Neujahrsempfang 2012

"Die Zeit für den Norden Deutschlands ist gekommen. Die Karten sind neu gemischt. Das Schwungrad Europas dreht sich rund um die Ostsee mit 147 Millionen Bewohnern – das Tor steht weit offen, wenn wir begreifen, dass hier nicht jeder allein die kritische Masse erreicht, um für sich in der Spitze mitzumischen", sagte der Präses auf dem traditionellen IHK-Neujahrsempfang in der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Unter den 1.700 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kultur und öffentlichem Leben waren Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, sowie Minister, Staatssekretäre und Präsidenten von Wirtschaftsorganisationen.

Blick ins Publikum des IHK-Neujahrsempfang © Guido Kollmeier/www.blende4.de Zoom

Die Wirtschaft und besonders der Arbeitsmarkt würden an Landesgrenzen nicht halt machen. Schon lange gibt es in der Metropolregion Hamburg einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Leicht empfahl, dass nun auch die Wissenschaft dem Beispiel der Wirtschaft folgen müsse. "Lübeck ist die 'Stadt der Wissenschaft 2012'. Tragen Sie den Geist des Wissenschaftsjahres über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Lassen Sie uns aus der Stadt der Wissenschaft eine Region und aus der Region ein Land der Wissenschaft machen. Denn Wissenschaft braucht Wirtschaft und Wirtschaft braucht Wissenschaft – klar fokussiert auf die entscheidenden Zukunftsbranchen unseres Landes." Diese Wirtschaftszweige sind die Logistikwirtschaft, der Tourismus und das Gastgewerbe, die erneuerbaren Energien und die Ernährungsindustrie sowie die Gesundheitswirtschaft und die Medizintechnik.

Auch Hamburgs Hochschullandschaft könne nicht auf Dauer ohne Kooperationspartner in der Region bestehen, betonte der Präses. Nur über eine Vernetzung von Lehre und Forschung in Norddeutschland fänden die Hochschulen zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit. Leicht: "Das bedeutet einen konsequenten Abbau von Doppelstrukturen, verbindliche, institutionalisierte Zusammenarbeit, und zwar über Grenzen hinaus, sowie eine klare Fokussierung auf unsere Zukunftsbranchen." Ein positives Beispiel sei der Studiengang Foodprocessing. Unternehmer wie Jochen Brüggen und Axel Junge, Initiatoren des Netzwerkes foodRegio, hätten gut ausgebildeten Nachwuchs benötigt und in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Lübeck den Studiengang Food Processing Technology eingerichtet. "Diese Erfolgsgeschichte von Wirtschaft und Wissenschaft made in Lübeck zeigt eindrucksvoll, wie Kooperation aussehen kann: Eine Idee, geboren aus einer Angebotslücke, angepackt durch Unternehmer unserer Region, angenommen durch die Wissenschaft und realisiert in einem Studiengang. So kommen wir über Kooperation zur Exzellenz", betonte der Präses. "Wir wünschen uns, dass die Hochschulen noch viel intensiver die Zusammenarbeit untereinander suchen."

Ebenso betrachte die Wirtschaft den bisherigen Stand der politischen Kooperation zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein kritisch. "Wir brauchen ein grundlegend anderes Verständnis vom Miteinander." In diesem Zusammenhang führte der Präses das Gastschulabkommen zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein an. Vor zwei Jahren hatten beide Länder eine formelle Einigung erzielt. "Leider zu Lasten von Unternehmen und Auszubildenden", so Leicht. "Ziel muss es sein, gerade die jungen Menschen dies- und jenseits von Grenzen nicht als Gäste zu begreifen. Ziel muss es sein, zu einem Verständnis zu kommen, das einen Gästestatus komplett ausschließt. Konkret: Gemeinsame Schul- und Hochschulpolitik – Partnerabkommen, statt Gastabkommen." In Bayern gebe es derartige Probleme nicht, weil keine Landesgrenze die Metropole München von ihrem Umland trennt. Auch am Øresund würden Dänen und Schweden erfolgreich kooperieren und zusammenwachsen, weil sie ihre Landesgrenzen faktisch überwunden hätten.

Mit einem Aktionsprogramm hätten die Kammern konkrete Vorschläge für die Kooperation im Norden unterbreitet, die im Mittelpunkt von Gesprächen in den Arbeitsgruppen mit den beiden Regierungen stünden. Leicht: "Ich wünsche mir ein Schleswig-Holstein, das sich nicht als armer Verwandter, sondern mit einer Millionen mehr Einwohnern als starke Schwester der Hansestadt Hamburg versteht. Wir haben keinen Grund, nicht auf Augenhöhe zu reden, den anderen zu verstehen und zusammen nach den besten Lösungen für unseren gemeinsamen Wirtschaftsraum zu suchen." Der Präses forderte ein klares Ja zu einer neuen politischen Exzellenz zwischen Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und den Nachbarn in Dänemark. "Das ist die Chance für einen wirklichen Aufbruch im Norden. Wir wollen Zukunft nachhaltig gestalten, den Boden für die nächsten Generationen bereiten und die Drehscheibe des Dialogs im Ostseeraum sein."

Diese Forderung griff Festredner Olaf Scholz auf. Er bezeichnete die Ostseeregion als einen "einheitlichen Wirtschaftsraum mit intensiven Verflechtungen und Interdependenzen. Da geht es um das Mithalten im internationalen Standortwettbewerb der Regionen." Eine logische Konsequenz sei es, die ökonomischen Potenziale durch eine gemeinsame beziehungsweise abgestimmte Politik auszuschöpfen.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz während seiner Rede beim Neujahrsempfang © Guido Kollmeier/www.blende4.de Zoom Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz während seiner Rede beim Neujahrsempfang 2012 der IHK zu Lübeck.

Hamburg habe ein ureigenes Interesse an einer prosperierenden Metropolregion. Die Hansestadt wisse, in wie vielen Bereichen sie existenziell auf eine Kooperation mit ihren Nachbarn angewiesen sei. Weltweit organisierten sich Regionen, um den gemeinsamen Wirtschaftsraum und Arbeitsmarkt zu entwickeln. Das Ziel sei es überall, international sichtbar zu sein, die Wettbewerbsfähigkeit, die Investitionen und Arbeitsplätze zu sichern, sagte Scholz. "Wir haben Möglichkeiten, mit nachbarlicher Zusammenarbeit über Grenzen hinweg unsere Stärken zu bündeln und zu nutzen", so der Erste Bürgermeister weiter.

Seiner Ansicht nach sei eine gemeinsame Politik der norddeutschen Länder bei der Windenergie sinnvoll. Scholz: "Unser Ziel muss es doch sein, Norddeutschland zur weltweit führenden Windenergieregion aufzubauen. Wir wollen in Zukunft die Energiezentrale Deutschlands werden und hier auch den wissenschaftlichen Bereich stärken. Dazu wollen wir uns auf die Energie-Technik konzentrieren, besonders auf die Prozesse, die mit der Speicherung von Windenergie zusammenhängen." Dieser Standortvorteil werde zur Chance für den Norden, denn dieser könne energieintensive Unternehmen ansiedeln. "Hamburg, Lübeck, Hannover, Kiel, auch Kopenhagen: Wir sind alle gemeinsam der Norden und haben alle gemeinsam große Perspektiven. Wir haben große Chancen, nutzen wir sie", sagte Scholz.

Diesen Gedanken führte der dänische Europaminister Nicolai Wammen in einer exklusiven Videobotschaft für den IHK-Neujahrsempfang weiter: "Die Welt braucht uns. Und deshalb ist es wichtig, dass wir bereit sind, uns den internationalen Herausforderungen zu stellen. Ich hoffe sehr, dass wir 2030 eng zusammenarbeiten werden in einer gemeinsamen Region, in der junge Menschen ausgebildet, Unternehmen gegründet werden und in der grünes nachhaltiges Wachstum tief verwurzelt ist."

 
 

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