IHK zieht positive Jahresbilanz: Die schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetreten
Der IHK-Konjunkturbericht für das dritte Quartal hat es gezeigt: „Die schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetreten“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Michael Stein. Die positiven Anzeichen für eine Konjunkturerholung haben sich im dritten Quartal 2009 verstärkt. Der Konjunkturklimaindex, der einen Wert zwischen 0 und 200 annehmen kann, liegt mit 90 Punkten zwar deutlich über dem Vorquartalswert von 80, aber noch unter dem Vorjahreswert von 98 Punkten.
Insgesamt beurteilen 18,5 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 45,9 Prozent als befriedigend und 35,6 Prozent als schlecht (Vorquartal: 15,9 Prozent; 46,1 Prozent; 38,0 Prozent). Dies ist das Ergebnis der von der IHK Schleswig-Holstein durchgeführten repräsentativen Konjunkturumfrage bei rund 1.400 Unternehmen.
Konjunktur
Die spürbare Belebung der Konjunktur zeigt aber auch: „Damit wir gestärkt aus der Krise hervorgehen, braucht die Region weiterhin gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte“, so Stein. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist gegenüber dem Vorjahr im Bezirk der IHK Flensburg (30.11.2009) um 2,8 Prozent auf nun 2.807 gesunken. Im Jahr 2008 waren es noch 2.888 eingetragene Verträge. „Dies ist vor allem den zurückgehenden Schülerzahlen geschuldet.“ Um die Folgen des demografischen Wandels abzumildern, steht die Bekämpfung des Fachkräftemangels und Stärkung des regionalen Arbeitsmarktes auf der Agenda der Industrie- und Handelskammer Flensburg. „Wissen ist der wichtigste Rohstoff unseres Landes und eine fundierte berufliche Ausbildung unabdingbare Grundlage für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung“, so Stein.
Aus- und Weiterbildung
Aus diesem Grund engagieren sich in der gesamten Aus- und Weiterbildung der IHK Flensburg - in 263 Ausschüssen - 1.435 ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer. Viele Ausbildungsberufe haben in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht. So gehört z.B. der Brillenoptikschleifer seit dem Jahr 2002 der Vergangenheit an. Heute werden diese Aufgaben von Verfahrensmechanikern übernommen. Mit Svenja Plambeck von der Firma Optik Schulz aus Glücksburg stellte die IHK Flensburg bei der Ehrung der Bundesbesten in Berlin eine Spitzenabsolventin in dieser Berufsgruppe. Damit jeder junge Mensch seinen Traumberuf aus einer Fülle von ca. 360 Ausbildungsmöglichkeiten finden kann, spricht die IHK Flensburg gezielt Schülerinnen und Schüler mit ihren Veranstaltungen an. Lehrstellenrallyes gab es in Schleswig (50 Teilnehmer), Husum (rund 500 Teilnehmer und über 2000 Betriebskontakte) und mit dem IHK-jobsearching auch in Flensburg (knapp 400 Teilnehmer). Bei diesen Terminen stellten die Unternehmen aus der Region ihre Ausbildungsangebote vor. Um den Betrieben dafür eine Anerkennung auszusprechen, wird in Kürze der „Ausbildungsbetrieb des Jahres 2009" ausgezeichnet. „Der wirtschaftliche Erfolg hängt im Wesentlichen davon ab, ob es den Betrieben in Zukunft gelingt, gute Fachkräfte zu binden. Dazu gehört auch ein entsprechendes Image“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Michael Stein. Bis Ende Dezember sind rund 60 Bewerbungen eingegangen.
Verkehrsinfrastruktur
Der Ausbau einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur im deutsch-dänischen Raum war ein weiterer Schwerpunkt der IHK Flensburg. Als Meilenstein trafen sich im November auf der dritten gemeinsamen Wirtschaftskonferenz des Entwicklungsrates Sønderjylland und der IHK Flensburg im FDE Transportcenter in Padborg über 100 Teilnehmer aus Deutschland und Dänemark. Ergebnis: Wirtschaftsminister Jost de Jager wird sich für eine binationale Verkehrskommission zwischen Deutschland und Dänemark einsetzen, die zukünftig für die Entwicklung gemeinsamer Infrastrukturprojekte verantwortlich sein soll. „Die Unternehmen brauchen erstklassige Verkehrswege und Anbindungen an die europäischen Transportstrecken. Wir müssen heute die Verkehrswege von morgen planen und dabei das zu erwartende Wachstum der Verkehrsströme berücksichtigen“, so IHK-Präsident Uwe Möser. Konkret geht es darum, die Verkehrsplanung auf deutscher und dänischer Seite für die Zeit nach 2015 aufeinander abzustimmen. Bis dahin gilt noch der aktuelle Bundesverkehrswegeplan. Was die binationale Kommission für die gesamte Region erreichen soll, versuchen die Akteure des Vereins „Infrastruktur Westküste“ konkret bei der Bundesstraße B 5 / E 11. Sie ist eine zentrale Verkehrsader im Norden Schleswig-Holsteins und Dänemarks. „Leider ist der Ausbauzustand für eine derart wichtige Straßenverbindung alles andere als befriedigend“, so IHK-Präsident Uwe Möser. Zwar konnte in der Vergangenheit glücklicherweise die Streichung bereits bewilligter Gelder für die Planung verhindert werden. Aber nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte spielen beim Ausbau der B 5 eine Rolle.
Neben den Experten aus Transport und Logistik tagte auch die Vollversammlung der IHK Flensburg im Frühjahr in Padborg. Dort betonte IHK-Präsident Uwe Möser die Weiterentwicklung des deutsch-dänischen Regionalmanagements. Nicht nur, dass das Regionalmanagement um weitere drei Jahre - auch mit Hilfe des Zukunftsprogramms des Landes Schleswig-Holstein - verlängert wurde. Im Januar erhalten die Bereiche deutsch-dänische Zusammenarbeit und Tourismus mehr Gewicht und werden als Kompetenzzentrum unmittelbar der IHK-Spitze unterstellt. Darunter findet sich auch das Projekt FURGY - abgekürzt für „Future Renewable Energy“ - wieder. Ziel der von der EU mit 800.000 Euro geförderten Initiative ist es, kleinere und mittlere Unternehmen, wie Windkraft- und Biomasse-Anlagenbetreiber mit regionalen Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen zu vernetzen.
Kurs09
Da die aktuelle Wirtschaftskrise noch nicht ausgestanden ist, setzt die IHK Flensburg die Informations- und Hilfsangebote an Unternehmen verstärkt fort. Unter dem Titel „Kurs 09“ haben die IHKs in Schleswig-Holstein ihre Anstrengungen in der Krise gebündelt und Betriebe zu Fragen wie Kurzarbeitergeld und Unternehmensfinanzierung beraten. Im kommenden Jahr wird diese Initiative unter dem Motto „Kurs Aufschwung“ weitergeführt. Gleichzeitig richtet IHK-Präsident Uwe Möser mahnende Worte an die Politik: „In Zeiten klammer Kassen scheinen nun immer mehr Kommunen auf das Mittel der Gewerbesteuererhöhung zurückzugreifen – eine schädliche und kurzfristige Maßnahme.“ Denn letztlich werde nur das Abwanderungsrisiko erhöht. Angespannte Haushaltszahlen seien mittelfristig vielmehr durch eine Reform der Kommunalfinanzen zu sanieren.
