Ehrenamtliche Prüfer

Breites Know-how im Betrieb

Sie sind Garanten für den hohen Leistungsstand der dualen Ausbildung in Deutschland: ehrenamtliche Prüfer der IHK. Neben Berufsschullehrern gehören dem Prüfungsausschuss auch Arbeitgeber- oder Arbeitnehmervertreter an. Die Fachleute aus den Betrieben beurteilen die Leistungen von Auszubildenden, begutachten Prüfungsstücke und sprechen auch mal Mut zu. Den perfekt gebundenen Brautstrauß, der stilvolle Tischschmuck, ein gutes Händchen mit den Kunden und Kenntnisse über den Handel: Die Anforderungen an Floristen sind groß. Elke Erdmann erfragt und beurteilt in der Abschlussprüfung der Floristen im Norden, was die Nachwuchskräfte während ihrer Ausbildung gelernt haben. Erdmann ist selbst Floristin und Inhaberin eines kleinen Blumenladens in der Lübecker Innenstadt. Seit zwölf Jahren gehört sie als Arbeitgebervertreterin dem dreiköpfigen Prüfungsausschuss an. Eine lange Zeit, doch sie sei immer noch neugierig, sagt Erdmann. 
Durch Zufall kam sie in das Ehrenamt. "Ich bilde selbst erfolgreich aus und wurde damals gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, Prüferin zu werden", erzählt Elke Erdmann, die auch zweite Vorsitzende des Fachverbands der Deutschen Floristen in Schleswig-Holstein ist. Dass sie dabei hilft, den Berufsstand zu sichern, ist ihr wichtig. Denn leider unterschätzten viele Azubis den Beruf, meint Erdmann. "Wir haben leider eine hohe Abbrecherquote."
Aufgeteilt ist die Abschlussprüfung der Floristen in vier Teile. Neben einer schriftlichen Prüfung müssen die angehenden Fachkräfte auch praktisch zeigen, was sie drauf haben. Zu den drei Pflichtaufgaben bekommen die Prüflinge eine komplexe Aufgabe aus ihrem vorher festgelegten Fachgebiet gestellt. "Sie müssen entweder einen Trauerschmuck fertigen oder einen Hochzeits-, Tisch- oder Raumschmuck. Diese Aufgabe zählt dann 70 Prozent", sagt Erdmann. Hier komme es auf Technik, Gestaltung, Ausarbeitung und auch auf die Farbe an.
Ihr Augenmerk legt Elke Erdmann besonders auf die Kreativität des Prüflings, Emotionen gehörten einfach dazu, findet sie. Durch ihre eigene berufliche Praxis kann sie gut abschätzen, ob das Prüfungsstück auch in der Realität über den Ladentisch gehen würde. "Das ist schon ein großer Vorteil." Die Arbeit im Ausschuss macht ihr viel Spaß. Man bleibe näher dran an den jungen Erwachsenen und immer aktuell drin im Stoff, findet Erdmann.

Wertvolle Kontakte

Auch Nils Bruchmann leistet einen großen Beitrag dafür, dass die duale Berufsausbildung besonders praxisnah ist. Seit 2013 ist er als Arbeitnehmervertreter im IHK-Prüfungsausschuss. Der gelernte Verfahrensmechaniker hat seine Ausbildung bei dem Medizingerätehersteller Codan GmbH & Co. KG in Lensahn absolviert. Während einer anschließenden Technikerausbildung sprach ihn ein Lehrer an, ob er sich vorstellen könne, als Prüfer für seine Berufsgruppe zu agieren. "Das bot sich irgendwie an", meint Bruchmann. Er sei langsam in die Sache reingewachsen, sagt der junge Ostholsteiner. Fortbildungen und Seminare bei der IHK haben ihn auf die Tätigkeit vorbereitet. "Bevor ich auf die Prüflinge 'losgelassen' wurde, habe ich als Gastprüfer dabeigesessen und zugeschaut", sagt Bruchmann.
Gemeinsam mit 15 anderen Prüfern des Ausschusses teilt er sich den Norden auf. Dass er dabei in andere Betriebe kommt, reizt ihn sehr. "So sieht man auch mal andere Firmen und knüpft wichtige Kontakte", sagt Bruchmann. Sieben bis acht Termine hat er nun im Jahr, macht Prüfungsvorbereitung, bewertet Prüfungsstücke, führt Prüfungsgespräche mit den angehenden Verfahrensmechanikern und organisiert die Zwischenprüfungen mit. Bei den Prüfungen müssen die angehenden Verfahrensmechaniker auch einen Arbeitsauftrag ausführen und darüber mit den Prüfern ein Fachgespräch führen. Dieser Aspekt gefällt Bruchmann besonders. "Hier kann man oft schon sehen, wer mal ein guter Facharbeiter wird", sagt er.
IHK-Prüfer werden lohnt sich!
Rund 1.700 Prüfer sind im Auftrag der IHK zu Lübeck ehrenamtlich aktiv. Fachkräfte aus der betrieblichen Praxis und Lehrer an beruflichen Schulen bringen gemeinsam ihr Know-how ein und nehmen die Zwischen-, Abschluss- und Fortbildungsprüfungen ab. Prüfer sind jederzeit über aktuelle Fachentwicklungen und Trends informiert. Sie sammeln Erfahrungen und knüpfen Kontakte, die für das eigene Unternehmen aber auch für sie persönlich gewinnbringend sind. Für diese wichtige Aufgabe sucht die IHK zu Lübeck immer wieder neue Mitstreiter: für ausscheidende Prüfer der laufenden Berufungsperiode 2013 bis 2018 sowie zum bedarfsgerechten Ausbau der Prüfungsausschüsse. Möchten Sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und Mitglied in einem unserer Prüfungsausschüsse werden? Wenn Sie sich engagieren möchten oder Fragen dazu haben, dann freuen wir uns auf Ihren Anruf oder Ihre E-Mail!

Azubis profitieren

Auch Bruchmanns Kollege Yanneck Gnewuch steht als Prüfer in den Startlöchern. Er hat ebenfalls bei Codan gelernt und arbeitet dort als Werkzeugmechaniker. "Ich bin einer der Ausbilder und noch als Stellvertreter im Prüfungsausschuss", sagt Gnewuch. An einigen Prüfungen hat er aber schon als Prüfer teilgenommen und Bauteile, die die angehenden Werkzeugmechaniker gefertigt haben, beurteilt. Dass er selbst noch so jung ist, sieht der 26-jährige Heiligenhafener als Vorteil. "Es macht Spaß, Azubis ins Berufsleben zu helfen."
Für die Lehrlinge im eigenen Betrieb, die dann von den Kollegen aus den Prüfungsausschüssen beurteilt werden, sehen die beiden Prüfer einen großen Vorteil. "Wir bereiten unsere Azubis gut auf die Prüfungen vor, weil wir wissen, worauf es ankommt", sagt Bruchmann. Anhand von Aufgaben aus den Vorjahren werden schon mal Probeprüfungen durchgeführt. Dabei nehmen sie dann die betrieblichen Aufgaben durch und üben mit den Azubis das freie Sprechen, erklärt Gnewuch. "Unser Ziel ist es, prüfungsnah vorzubereiten."
Majka Gerke
Veröffentlicht am 12. Juni 2017