Jahresempfang der IHK zu Kiel

"Unternehmertum muss wieder sexy werden!"

Unternehmertum als Schlüssel für den Wohlstand von morgen, die Digitalisierung, die internationale Zusammenarbeit und der Freihandel sowie ein Plädoyer für den Industriestandort und die Zukunft des Kieler Flughafens stehen im Mittelpunkt des diesjährigen (09. Januar 2017) Jahresempfangs der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel.
All diese Themen sprach Präsident Klaus-Hinrich Vater (51) in seiner Grundsatzrede an. Der Ehrengast Johann Bögl von der Firmengruppe Max Bögl aus Sengenthal präsentierte sich als großer Mittelständler und unterstrich seinen Firmenslogan "Fortschritt baut man aus Ideen" eindrucksvoll. Ministerpräsident Torsten Albig überbrachte die Grüße der Landesregierung und erklärte, "das Jahr 2017 gehört den mutigen und kreativen Unternehmern".
Der Jahresempfang im Kieler Schoss präsentierte sich als Treffpunkt der Politik. Neben Ministerpräsident Albig hatten sich fünf Minister aus seinem Kabinett angemeldet sowie sechs Staatssekretäre. Dazu kommen die Repräsentanten des Schleswig-Holsteinischen Landtages und eine Reihe von Bundestagsabgeordneten. Auch die kommunale Familie mit vielen Bürgervorstehern, Stadtpräsidenten und Verwaltungschefs aus der Weite des IHK-Bezirks war stark präsent. Ebenso zahlreiche Generalkonsuln, Honorarkonsuln und Wirtschaftsattachés.
Rede des IHK-Präsidenten Klaus-Hinrich Vater:
Vor gut 1.200 Gästen erklärte Vater mit Blick auf den laufenden Wahlkampf, dass die IHK nicht "mit der Axt in den Wahlkampf ziehen wird". Vielmehr wolle man mit einem abgewogenen Kriterienkatalog in den Dialog gehen. Dieser Katalog diene auch dazu, die Arbeit der künftigen Landesregierung regelmäßig zu überprüfen. "Unternehmertum - Schlüssel für den Wohlstand von morgen" lautete das Schwerpunktthema von Vater. Fünf Stationen sind dafür aus Sicht des IHK-Präsidenten wichtige Voraussetzungen, um die These Wirklichkeit werden zu lassen und um das Land voranzubringen: Unternehmertum und Wirtschaft in der Bildung, ein kreatives Innovationsklima, ein wirtschaftsfreundlicher Standort, die Chancen und die Notwendigkeit der Digitalisierung und der internationale Austausch. "Unternehmertum muss wieder sexy werden“, fügte Vater der Auflistung hinzu. Das Unternehmerbild in den Medien müsse sich ändern. Im Krimi sei der Unternehmer entweder ein intriganter Ausbeuter, Steuerhinterzieher oder bestenfalls das verweichlichte Entführungsopfer. Es müsse wieder selbstverständlich werden, dass junge Menschen sagen "wir wollen uns selbständig machen". Neben den klassischen Themen zur Verkehrs- und Bildungsinfrastruktur, der Entbürokratisierung, der Breitbandversorgung oder der Haushaltspolitik brach Vater erneut eine Lanze für die Industrie. Selbige stehe für wertvolle Arbeitsplätze und sei "top modern, sauber und zukunftsorientiert". Darum müssten immer wieder die Weichen pro Industrie gestellt werden. Etwa bei der Bauleitplanung vor Ort.
Eindringlich richtete sich der IHK-Repräsentant an die Vertreter der Landeshauptstadt und plädierte für die Erreichbarkeit Kiels aus der Luft. Dieses Thema habe eine starke subjektive und emotionale Komponente für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein. Die Ratsversammlung müsse die Kraft aufwenden, eine klare Entscheidung zu fällen.
Da für die IHK Sportförderung gleich Wirtschaft- und Standortförderung bedeutet, haben die drei IHKs im Land zusammen mit dem Landessportverband beim Institut für Sportwissenschaften eine Studie zum "Wert des Sports in Schleswig-Holstein" in Auftrag gegeben. Danach generiere der Sport fünf Milliarden Euro Umsatz und biete 45.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.
Mit Blick auf die eigene Organisation kündigte Vater eine Modernisierungsoffensive der IHK zu Kiel an. Man wolle die Unternehmerschaft noch zielgenauer unterstützen, die Politik noch schlagkräftiger beraten. "Machen wir unsere Sache gut, werden wir einer der besten und innovativsten IHK-Bezirke Deutschlands sein", gab Vater die Richtung vor und fügte an: "Da wollen wir hin – gemeinsam mit Ihnen!". Dafür seien die Segel gesetzt worden.
Rede des Ministerpräsidenten Torsten Albig:
Ministerpräsident Albig hob hervor, dass Schleswig-Holstein als Gründerland über dem Bundesschnitt liege. "Wachsenden Wohlstand gebe es in Schleswig-Holstein nur mit anhaltend erfolgreichen Unternehmen", pflichtete der Regierungschef dem IHK-Präsidenten bei.
Der Unternehmer Johann Bögl erläuterte in seiner Rede das Motto der Firmengruppe Max Bögl. "Fortschritt baut man aus Ideen", so der Slogan. Anders als viele, die in der Baubranche unterwegs sind, steht Max Bögl nicht nur für Bauausführung, sondern setzt sehr stark auf eigene Produkte und Technologien. Beispielsweise auf die feste Fahrwegplatte aus Beton für ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecken. Hier ist das Unternehmen Weltmarktführer. Auch der Hybridturm System Max Bögl für Windenergieanlagen mit hohen Narbenhöhen von mehr als 160 Metern, wie sie auch im neuen Werk in Osterrönfeld am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) hergestellt werden, gehört zur Palette der eigenen Produkte. "Wir haben uns für diesen Standort entscheiden, weil wir hier die Nähe zu Kunden und Märkten in Norddeutschland sowie in Skandinavien haben", sagte Bögl. Der NOK sei der ideale Punkt, um die Baustellen nachhaltig über den Wasserweg zu beliefern. Im Übrigen beschäftigt die Firmengruppe mit zahlreichen Kompetenzfeldern 6.000 Mitarbeiter.
Rede des Hauptgeschäftsführers der IHK zu Kiel Jörg Orlemann:
Zu Beginn der Veranstaltung hatte IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater die Arbeit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Landesverband Schleswig-Holstein gewürdigt. Die DLRG präsentierte sich im Foyer des Tagungsortes und auf der Bühne im Konzertsaal.
IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann würdigte abschließend die bundesbesten Auszubildenden des Jahres 2016:
  • Christian Voßbeck, Tiefbaufacharbeiter
    Krebs & Suhr GmbH & Co. KG, Neumünster
  • Marian Scheer, Mikrotechnologe
    Vishay Siliconix Itzehoe GmbH, Itzehoe
  • Nils-Hendrik Protz, Kaufmann für Kurier-, Express und Postdienstleistungen
    General Logistics Systems Germany GmbH & Co. OHG, Neumünster
  • Lena Postel, Schifffahrtskauffrau – Fachrichtung Trampfahrt
    Brunsbüttel Ports GmbH, Brunsbüttel
  • Nadine Möller, Kauffrau für Büromanagement
    Gawron & Co. (GmbH & Co. KG), Rellingen