IHK Nord-Konjunkturumfrage - Q1/2017

Bessere Stimmung bei Reedern, Schiffbau und Hafenwirtschaft skeptischer

Bei den norddeutschen Reedern hat sich die Geschäftsstimmung deutlich aufgehellt. Dies zeigt die Konjunkturumfrage der IHK Nord im Frühjahr 2017. Dagegen hat sich das Geschäftsklima beim Schiffbau und in der Hafenwirtschaft im Vergleich zum Herbst 2016 eingetrübt.
Der Konjunkturindex bei den Reedern klettert von 84,9 auf 113,9 Punkte. Sie beurteilen ihre Lage besser als in den vergangenen Jahren, so dass auch ihre Erwartungen für die kommenden Monate gestiegen sind. Dr. Wolfgang Blank, Vorsitzender der IHK Nord, betonte: "Seit acht Jahren steckt die Branche aufgrund von Überkapazitäten beim Schiffsraum in der Krise. Doch trotz weiterhin negativer Auswirkungen der Schifffahrtskrise dürfte insbesondere die zum Teil spürbare Erholung bei den Charter- und Frachtraten die allgemeine Stimmung positiv beeinflusst haben. Dennoch bleibt abzuwarten, ob es sich hier nur um eine kurze Entspannung oder um eine echte Trendwende handelt."
.
Die Stimmung bei den Werften schwankt - je nach Auftragslage einzelner großer Unternehmen – sehr stark von Umfrage zu Umfrage. Gegenüber der Herbstumfrage 2016 verliert das Konjunkturbarometer rund 14 Punkte, liegt aber mit 104,7 Punkten etwa 20 Punkte über dem Wert vom Frühjahr 2016. "Der deutsche Schiffbau ist weiterhin robust. Er kann sich aber vom negativen Trend auf den Weltmärkten nicht komplett abkoppeln", so Blank. Viele Werften in Asien stellten wegen des anhaltenden Auftragsmangels in den letzten Jahren den Betrieb ein. Dies gehe auch an der Branche hierzulande nicht spurlos vorüber, erklärte der IHK Nord-Vorsitzende.
.
Die Hafenwirtschaft blickt ebenfalls gedämpfter in die Zukunft. Der Geschäftsklimaindex sinkt gegenüber den letzten Jahren deutlich, von zuletzt 107,1 auf 91,7 Punkte. Der starke Wettbewerb mit den Westhäfen Rotterdam und Antwerpen belastet nach wie vor die Umschlagergebnisse der Hafenbetriebe. Auch wichtige Hinterlandprojekte wie die Küstenautobahn A20 oder der Ausbau der Hafenzufahrten auf Elbe, Weser und Ems kommen nicht schnell genug voran, sagte Blank. Er forderte die Politik auf, die Planverfahren zu verkürzen und spätestens nach der Wahl zum Bundestag Ende September ein Beschleunigungsgesetz für die Verkehrsinfrastruktur auf den Weg zu bringen.
.
Die IHK Nord ist der Zusammenschluss zwölf norddeutscher Industrie- und Handelskammern aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Sie vertreten knapp 700.000 Unternehmen in Norddeutschland und stützen sich auf rund 20.000 ehrenamtlich engagierte Unternehmer. Arbeitsschwerpunkte sind die Maritime Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Infrastruktur und Seeverkehr, die Energie- und Industriepolitik, der Tourismus, die Ernährungswirtschaft und die Außenwirtschaft. www.ihk-nord.de.
.
Veröffentlicht am 16. Juni 2017