fckup N8

Von Losern lernen

Das wertvollste, was wir teilen können, sind unsere Erfahrungen. Diese Erkenntnis bringt die fckup N8 vom 29. März 2017, die zeitgleich in verschiedenen Locations in Flensburg, Lübeck und Kiel stattfand, auf den Punkt. Schon mal gescheitert? Pleite gegangen? Bei der fckup N8 erzählten Gründer, wie sie unternehmerisch auf die Nase gefallen - und wieder aufgestanden sind. Denn: Scheitern ist erlaubt! Einfach das Krönchen richten, daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Aber: Innovative Köpfe und Macher schrecken in Deutschland häufig vor einer Existenzgründung zurück - aus Angst vor dem Scheitern. Denn wer sich als Unternehmer einmal eine blutige Nase abholt, der wird allzu häufig als "Loser" verspottet. Um dieser "German Schadenfreude" und Stigmatisierung entgegenzuwirken, organisierte die IHK Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Venture Werft, der Kieler Innovations- und Technologiezentrum GmbH und dem Gründer Cube die fckup N8.

fckup in Flensburg

Rund 130 überwiegend junge Teilnehmer waren zu Gast bei der ersten Flensburg fckup N8 im Museum Kupfermühle. Von Professor Dirk Ludewig (Hochschule Flensburg) erfuhren sie, dass Scheitern - wissenschaftlich betrachtet - die Chance auf Erfolg langfristig nicht schmälern muss und in den besten Unternehmerkreisen vorkommt. Prominentes Beispiel: Super-Entrepreneur und Milliardär Richard Branson, der schon mit einigen Projekten Schiffbruch erlitten, letztlich aber immer aufs richtige Pferd gesetzt hat.
Ulrik Ortiz Rasmussen, Chef der r2p GmbH und mehrfach ausgezeichnet als Entrepreneur des Jahres, berichtete von den harten Lehrjahren seiner Unternehmerkarriere, in denen er sich zeitweilig nur durch nächtliches Taxifahren über Wasser halten konnte. Sein Rat an alle Existenzgründer: den Rat erfahrener Mentoren suchen, das eigene Produkt von der Zielgruppe kritisch bewerten lassen und auf die klassischen Tugenden setzen - Fleiß und Ehrlichkeit.
Einen weiteren Erfahrungsbericht gab es von Jörg Dominke (ace-tec GmbH), der spannend darüber berichtete, wie er sich auf einem umkämpften Markt mit speziellen Wärmebildkameras etablieren konnte. Poetry Slammer Stefan Schwarck rundete die "Nacht des kreativen Scheiterns" unterhaltsam ab.

fckup in Lübeck

Weitere Videos finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.
Es ist Zeit zum Umdenken. Referenten und Teilnehmer der "fckup N8" im cloudsters in Lübeck betrachten, dass das Scheitern zum Risiko eines Selbstständigen gehört. "Es ist ein Teil des Unternehmertums", sagte Dr. Axel Meyer, Geschäftsführer der Geesthachter RIFTEC GmbH, vor mehr als 80 Zuhörern. In den vergangenen Jahren habe er die Höhen und Tiefen der Unternehmensführung erlebt. "Die Insolvenz war das Schlimmste, was ich je erlebt habe." Das Warten auf das Unausweichliche habe an den Nerven gezerrt. "Nach der Insolvenzanmeldung wurde es besser, denn das Insolvenzrecht bietet viele Möglichkeiten zur Entwicklung", so Meyer. "Es gibt einen Weg, der einen aus dem Schlamassel führt. Dafür musste ich aber den Mut haben, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen." Am Ende hat er einen Investor gefunden, der vom Konzept des auf das Rührreibschweißen spezialisierten Unternehmens überzeugt war und nach der Übernahme die bisherigen Gesellschafter als Geschäftsführer einsetzte.
Auch Natalie Richter aus Hamburg ist bei vielen Versuchen auf dem Weg in die Selbstständigkeit gescheitert. "Ich habe das akzeptiert, denn der Lerneffekt aus dem Scheitern ist mindestens so viel wert wie ein Erfolgserlebnis", sagte sie. Richter habe sich irgendwann gesagt, "dass es nicht schlimm ist. Damit habe ich die deutsche Denkweise hinter mir gelassen." Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass die Gesellschaft glücklose Unternehmer ausschließt und für das Scheitern verurteilt. Die Gründerin der heute erfolgreichen leev GmbH habe immer den Drang verspürt, ein eigenes Unternehmen leiten zu wollen. Nach vielen Ideen, die sich am Markt nicht durchsetzten, ist Natalie Richter jetzt mit der Herstellung und dem Vertrieb von sortenreinen Apfelsäften erfolgreich. Sie lebt in der ersten Gründer-Wohngemeinschaft in Hamburg. "Dieses Co-Living ist toll, wir sprechen schon morgens beim Frühstück über Probleme und helfen uns bei der Suche nach Lösungen." Häufig helfe es, die Dinge genauer zu betrachten und das Positive auch an einem Rückschlag zu erkennen, empfahl auch Professor Dr. Christian Scheiner vom Institut für Entrepreneurship und Business Development der Universität zu Lübeck. Helge Albrecht, der zuvor den zweiten Platt Poetry Slam in Kiel gewonnen hatte, hat das Thema von seiner lustigen Seite betrachtet. Er berichtete humorvoll vom Scheitern mit dem exotischen Konzept, einen Rothirsch als Massagegerät einzusetzen.

fckup in Kiel

Aus dem Fuckup ein Start-up machen. Das war die Grundidee des Events in der W8 Kulturschmiede mit ca. 130 Gästen, die meisten deutlich unter vierzig Jahre alt.
Bei Anders Fonager Christensen aus Flensburg war es ein Bau- und Wohnprojekt, das sich als Desaster entwickelte. Pointiert berichtete der 56-Jährige von dem Vorhaben, eine ehemalige Stallung mit Wohnungen auszubauen. Aber es gab Ärger mit der Baugenehmigung und der Nachbarschaft - die Partner und Interessenten sprangen ab. Nach dem Scheitern bewies Christensen bei der Auflösung des Projektes Disziplin, Reflexionsvermögen und Nervenstärke - obwohl er viel Geld verloren hatte. Er entwickelte aus den Erfahrungen heraus seine heutige Selbständigkeit rund um die Beratung von Baugemeinschaften. Schließlich sterbe man nicht vom Scheitern, so Christensen. Er sieht sich heute als ein viel besserer Projektmanager als vor dem Fehlschlag. Zudem ist sein gescheitertes Projekt später mit neuen Investoren doch noch umgesetzt worden - seine Vision war also nicht falsch.
Das es beim Scheitern um das wieder aufstehen geht, bestätigte Peter Bielenberg, der zweite Gründer und Sprecher des Abends. Er wollte mit seinem StartUp in dem Bereich Geothermie die Gewinnung von Energie aus tiefen Erdschichten unterstützen. Aber der Businessplan musste immer wieder angepasst werden. Auch die Tatsache, dass Umsatz kein Gewinn ist, hat er mit dem Untergang seiner Unternehmung schmerzhaft gelernt. Darüber hinaus reichten Ideen, Engagement und Know how alleine nicht aus um erfolgreich zu sein. Man müsse die Ziele, das Vorgehen, unerwartete Ereignisse und Fehler ständig synchronisieren. Verträge sollten so einfach und verständlich sein, dass man diese handschriftlich aufsetzen kann.
Die Poetry Slammer Theresa Hahl und Hinnerk Köhn rundeten den Abend mit elektrisierenden und nachdenklich stimmenden Texten rund um das Thema Scheitern ab. "Unsere fckup N8 zeigt einmal mehr, dass man über das Thema Scheitern sprechen kann", fasst die Gründungsberaterin und Moderatorin der Veranstaltung, Maren Vokuhl von der IHK zu Kiel, zusammen. "Oft ist ein Fehlschlag die Grundlage dafür, beim nächsten Versuch erfolgreich zu sein."
Veröffentlicht am 3. April 2017